Die Revolution der Damenbinden breitet sich in Nepal aus

Blanche Pautet, übersetzt von Mélody Lacouture
11 Mars 2015


In Dhading, das eine Stunde weit von Katmandou weg ist, ist die Khanikhola Schule für die ärmsten Kindern erschwinglich. Im letzten Oktober gab sie Sets für Frauenhygiene aus. Praktisch und umweltfreundlich: die „Sanitary Pads“ ebnen den Nepalesinnen den Weg zur Unabhängigkeit.


Fotonachweis: Carol Baggerman
„Wir nehmen eine Tasche und tun eine Seife, eine Unterhose und ein Handtuch zum Abtrocknen rein. Zum Schluss geben wir vier wiederverwendbare Damenbinden und zwei „sanitory pads“ hinzu“. Carol und ich sitzen inmitten von einem Stoß von Taschen, Seifen, kleinen bunten Stoffquadraten und Unterhosen. In ein paar Stunden werden hier statt dieses Haufens etwa zwanzig hygienische Sets sein. Diese Taschen werden den jungen Mädchen der Superb Catalyst Academy Dorfschule ausgegeben. Carol, eine Freiwillige aus Australien, hatte diese Idee. Innen drinnen sind die „sanitary pads“ die Stars. „Sanitary pad“ oder „sanitary towel“ bedeutet auf Englisch eine Damenbinde. Die, mit denen Carol und ich beschäftigt sind sie zusammenzusetzen, sind völlig anders als die, die sich im französischen Handel befinden.

Sie sind wiederverwendbar. Dieses Objekt ist zwar ein bisschen mehr verstopfend als wir es gewohnt sind, aber es ist in der Tat sehr ästhetisch und einfach zu benutzen. Wir tun kleine Damenbinden mit farbigen Mustern in eine Tasche rein und dann machen wir alles mit Klettverschlüssen auf der Unterhose fest. Wenn sie schmutzig sind, können die Damenbinden einfach entfernt werden und es genügt, stattdessen einfach eine andere anzuziehen.  Was Hygiene betrifft, ist es ein beachtlicher Fortschritt. In Nepal, wo Frauen es schaffen, mit dem auszukommen, was sie haben und oft alte dreckige Lappen oder Sägemehl benutzen, ist das „sanitary pad“ ein wahres Geschenk, das vom Himmel gefallen ist.

Ein Vorteil für die Hygiene und die Umwelt

Fotonachweis: Katrin Rausch
Die Idee dieser Damenbinden wurde dank Arunachalam Muruganantham, dessen Vortrag Sie auf der Website TEDTalk anschauen können, geboren. In Indien hat er sich an den selben verheerenden Bedingungen gestellt, wie in Nepal. Wenngleich die Lösung, die er vorschlägt, etwas unterschiedlich ist, bleibt das Problem doch gleich.
Zuerst handelt es sich um die Kosten. Für einen nepalesischen Haushalt sind die Wegwerfdamenbinden viel zu teuer; sie sind nur für die reichen Familien und die Touristen erschwinglich. Die anderen Frauen sind sich selbst überlassen.

Ihr Spielraum ist einschränkt, weil dieses zwar allgegenwärtige Problem einem Tabu unterliegt. Wegen eines Bildungsmangels und unerschütterlichen frauenfeindlichen Sitten schämen und verstecken sich die Nepalesinnen. In manchen abgeschiedenen Dörfern dürfen die Frauen, wenn sie menstruieren, nicht das Essen berühren und weil sie als unreine Menschen betrachtet werden, sind sie von der Gesellschaft isoliert. Diese Damenbinden auszugeben trägt nicht nur wesentlich dazu bei, eine dringliche Lösung zu der Unbequemlichkeit während der Periode zu finden sondern auch, um diesen Frauen eine neue Integrationshoffnung zu bringen.
Die Struktur mit Klettverschluss der Hygienebinden wird in Kathmandu von den Frauen des Geschäftes Local Women’s Handicraft hergestellt. Dieses Geschäft verkauft Qualitätsprodukte, die von Frauen in prekärer Lage aus nepalesischen Materialen angefertigt werden. Die wiederverwendbaren Binden, die darin gesteckt werden, bestehen aus wasserdichtem Stoff, der Carol aus Australien zurückbringt, da sie keinen am Ort finden kann. Diese Binden fördern die heimische Produktion und sind zudem umweltfreundlich. Da die Müllverarbeitung in Nepal kaum nicht existiert und den Müll auf die Straße weggeworfen wird, schlägt diese Erfindung eine umweltfreundliche dauerhafte Lösung vor. 

Eine noch zögernde Benutzung

Ein paar Tage nach der Ausgabe der Taschen an die jungen Mädchen und ihre Mütter, habe ich etwas Merkwürdiges entdeckt. In der Dorfschule hatte eine Zweijährige ein Lätzchen an, das mir geläufig war. Ihre Mutter hatte mit einer Sicherheitsnadel eine von den wiederverwendbaren Damenbinden an ihrer Uniform festgehakt. Wahrscheinlich hatte sie keine Erklärungen zu diesen Damenbinden bekommen und hatte daher keine Idee, wie sie benutzt werden sollten. Oder vielleicht war sie sich genau bewusst, dass die Damenbinden kein Taschentuch sein sollten und hatte aber entschieden, dass sie diese so benutzen wollte. Diese Anekdote zeugt von einem Phänomen, das ich in einem größeren Rahmen beobachten konnte. Humanitäre Hilfe wird oft auf Spenden aufgebaut und sie ist immer gut gemeint. Wenn man jedoch der lokalen Bevölkerung nicht genau erklärt, wozu diese Spenden dienen, können diese unnötig oder sogar kontraproduktiv werden. Das bringt mich zu einem zweiten noch wichtigeren Punkt. Wenn diese betreffende Frau dachte, dass sie für ihre Tochter ein Taschentuch dringender bräuchte als eine Damenbinde, kann man sie nicht hindern das Objekt, das sie bekommen hat, zu benutzen wie sie will. Geben ist, dem Empfänger eine Chance anzubieten; nur er oder sie kann entscheiden, ob er sie annehmen kann.